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Neuseeland Special

  • susiforster
  • 20. März
  • 6 Min. Lesezeit

Native Pflanzen aus dem Land der Maoris


weiße Unterseite des neuseeländischen Silberfarns auf braunem Waldboden aus verwelkten Farnwedeln. Bildtext New Zealand native plants
Der Silberfarn. Neuseelands Wahrzeichen diente nachts als Wegweiser mit seiner leuchtend weißen Unterseite

Neuseeland ist für mich ganz nah am Paradies. In diesem Neuseeland Special stelle ich Dir eine Auswahl typischer nativer Pflanzen Neuseelands vor. Ich habe das unbeschreibliche Glück, Familie in diesem Traumland für Naturliebhaber zu haben. Mit Locals zu den großartigen Spots zu reisen und all die erstaunlichen Pflanzen, ihre schillernden Maori-Namen und ihre Geschichte und Verwendung kennenzulernen, ist ein unermessliches Geschenk. Gerne teile ich einen kleinen Teil dieser Erfahrungen hier auf meinem Blog.


Kawakawa

Pepperwood; Piper excelsum Pflanzenfamilie Piperaceae


Kawakawa erkennt man gut an den typischen herzförmigen, glänzenden Blättern mit auffallender Nervatur. Der Strauch ist endemisch und weit verbreitet in Küstenregionen und tieferliegenden Waldgebieten auf der Nordinsel sowie der nördlichen Südinsel Neuseelands. Oft sieht man Fraßlöcher von Raupen auf den Blättern. Fun Fact: Traditionell wird den durchlöcherten Blättern der höhere Wirkstoffgehalt nachgesagt…Insekten irren nicht :-)


Verwendung:

Kawakawa ist eines der wichtigsten traditionellen Heilkräuter der Maori.


Das Kauen von frischen Blättern oder der Genuss von Tee aus getrockneten wie frischen Blättern trägt zur Linderung von Magen- und Blasenproblemen bei.


Die entzündungshemmende Wirkung von Pepperwood lässt sich gut bei Ekzemen und Hautproblemen einsetzen.


Getrocknete Blätter sind ein probates Mittel zum Räuchern als Insektenrepellent


Kawakawa enthält Myrsticin, ein Stoff, der Eugenol ähnelt. Entsprechend werden die gekauten frischen Blätter bei Zahnbeschwerden eingesetzt wegen der schmerzlindernden und antiseptischen Wirkung. In Europa kennt man diesen Effekt von Gewürznelken oder der heimischen Nelkenwurz.


Mein Favorit: Tee aus frischen Blättern. Ich liebe das unvergleichlich aromatische Aroma – leicht herb und mit einem Hauch von Regenwald. Der Tee wirkt belebend, enthält aber kein Koffein. Tee ist natürlich auch aus getrockneten Blättern ein Genuss.

Nicht zu verwechseln mit Kava-Kava aus der gleichen Familie, dessen Wurzeln für sehr beruhigende, angstlösende, aber nicht sedative Teezubereitungen verwendet wird. Diese Pflanze ist nativ im Südpazifik.



Horopito

New Zealand Pepperwood, Pseudowintera colorata

Pflanzenfamilie Winteraceae


Der Name sagt alles – diese Pflanze hat wirklich Pfeffer. Ich war gewarnt, nur ein winziges Stückchen Blatt zu probieren. Schon nach kurzem Kauen entwickelte sich ein extrem scharfer Geschmack im Mund, der noch am Abend leicht zu spüren war. Also Vorsicht beim Testen.


Horopitobaum mit vergrößerten Blättern des Pfefferwood
Horopito schmeckt äußerst pfeffrig. Im Schatten bleiben die Blätter grün ohne die typische Rotfärbung

Anders als der Volksname Pepperwood vermuten lässt, gehört Horopito nicht zur Familie der Pfeffergewächse wie Kawakawa. Der Busch mit den kleinen ellipsenförmigen Blättern zählt zu den Winteraceae. Sonneneinstrahlung verleiht den Blättern Ihre typische rötlich angelaufene Erscheinung, durch die der Strauch gut erkennbar ist. Horopito zählt zu den endemischen Fossilen in Neuseeland und stammt noch aus Gondwana-Zeiten vor 65 Millionen Jahren. Bis auf den äußersten Norden der Nordinsel ist der Horopito weit verbreitet in Waldgebieten und regeneriert als Pionierpflanze entstandenes Brachland.


Die indigene Maoribevölkerung kennt und schätzt seit jeher die große Heilwirkung der pfefferscharfen Pflanze. Heilkundliche Furore macht Horopito durch seinen Wirkstoff Polygodial. Dieser sorgt nicht nur für den scharfen Geschmack, sondern eine durchblutungsfördernde, entzündungshemmende und vor allem fungizide Wirkung. Letztere wurde auch in Studien vor allem im Zusammenhang mit der Behandlung von Candida Infektionen nachgewiesen. Polygodial erzeugt ein gewisses Taubheitsgefühl, weshalb Horopito auch zur Schmerztherapie eingesetzt wurde und wird. Übrigens ist dieser Stoff auch in deutlich geringerer Konzentration in Kawakawa enthalten, was bei empfindlichen Personen zu einem leichten Taubheitsempfinden der Lippen führen kann.


Traditionelle Anwendungsgebiete: Zahnschmerzen, Pilzinfektionen wie Candida albicans, Wunden, Schnittverletzungen, schmerzhafte Prellungen. Durch die zusammenziehende Wirkung auch bei Durchfall und Bauchschmerzen einsetzbar. Kann innerlich und äußerlich angewendet werden – gekaut, als Tee oder Auflagen.


Rangiora

Bushman´s friend, Brachyglottis Repanda

Pflanzenfamilie Korbblütler


Bushmans Friend - Border- und Rückseite der neuseeländischen Rangiora Pflanze
Bushmans Friend – nützlicher Helfer im stillen grünen Örtchen

Der bekannteste Einsatzzweck dieser Pflanze ist so profan wie nützlich: Die samtig weiche Unterseite der teilweise großen Blätter dient als Toilettenpapier. Auch Maoris und europäische Entdecker kannten den praktischen Nutzen dieser endemischen Pflanze. Unser Huflattich ist das heimische Äquivalent.


Der Busch bildet üppige Blätter mit gewelltem Rand aus. Die Oberseite zeigt sich satt grün, die weißlich-graue Unterseite mit der typischen samtigen Haptik. Die Blätter sind auffällig geädert, wirken fast marmoriert.


Traditionell wurde die Pflanze auch zum Einwickeln von Essen oder zur Auflage auf Wunden verwendet. Nachts wurde die helle Seite auch als natürlicher Wegweiser platziert. Sogar als Pergament für Notizen fanden die Blätter Verwendung.


Aber Vorsicht: Rangiora ist nicht zum Verzehr geeignet. Die Pflanze enthält Giftstoffe, die Schwindelgefühl erzeugen und bis zum Tod führen können.


Rangiora gehört übrigens zur Familie der Korbblütler wie Gänseblümchen oder Löwenzahn und hilft als Pionierpflanze bei der Rekultivierung von Brachflächen.


Kareao

Supplejack, Wait-a-while, Ripogonum scandens

Pflanzenfamilie Ripogonaceae


Supplejack - eine neuseeländische Lianenpflanze

Kareao oder besser bekannt als Supplejack ist eine seltsame Erscheinung in den dichten Wäldern Neuseelands. Ein Lianendickicht aus dunklen fingerdicken Stämmchen, die sich mitunter zu armdicken Ästen entwickeln können. Diese Lianen winden sich entgegen dem Uhzeigersinn nach oben, wo immer sie Halt finden. Falls keine Bäume greifbar sind, ranken sie am Boden dicht verschlungen und ermöglichen kaum noch ein Durchkommen für Wanderer und Tiere - der Volksname „Wait-a-While“ kommt nicht von ungefähr.


Ganz junge Triebe sind essbar und schmecken roh nach Sellerie oder ähneln gekocht Spargel, was mich ein wenig an die heimischen Jungsprossen des Ackerschachtelhalmes erinnerte.


Traditionell wurde Kareao von den indogenen Maoris vielseitig verwendet, beispielsweise als strapazierfähiges Naturseil zum Vertäuen von Floßen oder auch zur Herstellung von Aalfallen.


Harakeke

New Zealand Flex, Phormium tenax

Pflanzenfamilie Hemerocallidoideae 


Neuseeländischer Flachs mit verblühtem Blütenstand und Einblendung einer geflochtenen Rosette aus Flachsblättern
Neuseeländischer Flachs war lange ein Exportschlager als Rohstoff für die Textilverarbeitung

Neuseeländischer Flachs hat absolut nichts zu tun mit unserem heimischen Flachs. Harakeke ist ein Liliengewächs und ist ein essenzieller Bestandteil der Maorikultur. Laut traditioneller Legende ist er Kind von Haumia-tiketike, dem Gott der nicht-kultivierten Pflanzen und somit Enkelkind der Urgötter der Maori Schöpfungsgeschichte - Ranginui (Himmelsvater) und Papatūānuku (Erdmutter).


Verwendung: Harakeke ist DIE wichtigste Faserpflanze der Maori überhaupt für die Herstellung von Kleidung, Matten und Gefäßen. Die Weberei mit Neuseelandflachs spielte lange eine nicht unerhebliche Rolle als wirtschaftliche Einkommensquelle und Handelsware im Austausch mit europäischen Siedlern sowie Australien. Bis ins 19. Jahrhundert war Neuseeland Flachs ein echter Exportschlager bis er von Wolle abgelöst wurde. Die Pflanze hat auch heilkundlichen Nutzen: Die zerkleinerten Wurzeln können zur Linderung von Hautinfektionen eingesetzt werden. Das Gel, das aus dem Ende des geschnittenen Blattes austritt, kann zur Behandlung Von Schnittwunden oder Verbrennungen genutzt werden. Ganz ähnlich wie Aloe vera.


Für eine nachhaltige Ernte und damit den Erhalt der Pflanze gibt es wichtige Regeln. Dabei spielt der Aufbau der Pflanze eine entscheidende Rolle. Von den straußartig angeordneten Blättern sollen niemals die drei innersten Blätter abgeschnitten werden. Das innerste Blatt symbolisiert das Kind (rito), die beiden umgebenden Blätter sind die Eltern (awhi rito). Alle weiter außen folgenden Blätter stellen Großeltern (tīpuna) dar, die geerntet werden dürfen.


Die weitgehend endemische Pflanze ist weitverbreitet in Neuseeland, liebt Feuchtgebiete und findet sich gerne auch in großer Zahl im Dünenbereich der Strände.


Tī kōuka

Cabbage Tree, Cordyline australis

Pflanzenfamilie Asparagaceae


Cabbage Tree in Neuseeland

Sieht aus wie eine Palme, ist ein Spargelgewächs und einer der Klassiker der nativen Pflanzenwelt Neuseelands: Der Cabbage Tree oder Tī kōuka, wie er in der Sprache der Maori genannt wird. Man findet diese Pflanze quasi überall, von der Küste über die weiten Weideflächen bis in montane Gebiete bis 1000 m Höhe. Der Cabbage Tree mag es sonnig.


Verwendung:

Für die Maori war Tī kōuka eine wertvolle Nahrungsquelle und Medizin zugleich. Wurzel, Stiel und oberer Teil sind alle essbar und eine gute Quelle für Stärke und Zucker. Die üppigen Ballaststoffe werden durch langes Kochen oder durch Zerkleinern vor dem Kochen abgetrennt. Die Blätter wurden als Dachdeckung verwendet und zur Herstellung von Kleidung, Sandalen, Seilen, Netzen, Körben und ähnlichem gewebt oder geflochten. Aus den Blättern wurde Tee zur Behandlung von Durchfallerkrankungen gewonnen.


Rückverbindung mit dem alten Wissen und der Natur

Die traditionellen Einsatzgebiete der nativen Pflanzen haben in neuerer Zeit wieder mehr Aufmerksamkeit gewonnen. Die Rückbesinnung auf das alte Wissen ist in Neuseeland wie auch in Deutschland wieder en vogue. Mehr und mehr (junge) Menschen wollen wieder mehr im Einklang mit und von der Natur leben. Neben dem neuseeländischen Verkaufsschlager Manuka Honig findet man auf Märkten und entsprechenden Läden auch tolle Naturprodukte wie Kawakawabalsam.



Gebet an Ranginui und Papatūānuku

Ka noho ko Ranginui ki runga

Ko Papatūānuku ki raro

Ka heke iho ko ngā roimata i a Ranginui

Ka hiki ake ko te kohu i a Papatūānuku

Ko te tohu tērā

Ka ora tāua i te ao, i te pō

Tūturu whakamaua kia tīna! Tīna!

Hui ē! Tāiki ē!

Himmelsvater oben

Erdmutter unten

Rangis Tränen fallen herab

Papas Nebel steigt empor

Das ist das Zeichen,

Dass wir leben, im Licht und in der Dunkelheit

Dies ist meine feste Verpflichtung

Versammelt! Vereint!

Steinskulptur der Erdmutter Papatuanuka im Regenwald Neuseelands
Papatuanuka – die Erdmutter. Skulptur im Regenwald Neuseelands

Die Beschreibungen ersetzen keine medizinische Beratung. Alle Darstellungen wurden nach bestem Wissen und Gewissen und mit größter Sorgfalt recherchiert und/oder beruhen auf tradierten Überlieferungen und volksheilkundlichen Erfahrungen. Bei Beschwerden und Krankheitszeichen ggf. den Arzt des Vertrauens konsultieren.


Quellenhinweise: alle abgerufen 20.03.2026

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