Pflanzen des Monats Oktober: Herbstschätze der Natur

Bunte Beeren. Grüne Kräuter. Wilde Wurzeln.


Der Sommer hat sich verabschiedet. Der Herbst streckt seine ersten nebligen Fühler aus, schenkt uns aber immer wieder wunderbare Sonnentage...perfekt, um die Herbstschätze der Natur zu bergen – unter und über der Erde. Robuste Kräuter wie Vogelmiere und Brennessel liefern uns weit in die kalte Jahreszeit hinein vitaminreiches Grün. Bunte Beeren von Berberitze, Vogelbeere, Schlehe, Kornelkirsche oder Weißdorn sowie energiereiche Wurzeln von Löwenzahn, Beinwell oder Nelkenwurz schenken uns wichtige Zutaten für kulinarische und heilkräftige Rezepte. Unsere heimischen Heckenfrüchte sind enorm reich an Vitamin C - ideal, um unser Immunsystem zu pushen für die kalte Jahreszeit.


Also am besten gleich raus in die Natur…entdecken und eindecken für die kühlen dunklen Tage.

Lust auf Kräutererlebnisse - live und in natura? Jetzt ist die beste Zeit für eine Erkundungstour zu den Herbstschätzen der Natur mit Beeren, Wurzeln und winterharten Kräutern.


Hier sind ein paar Highlights aus dem Füllhorn an natürlichen Herbstschätzen. Dazu gibt es auch die passenden Rezeptideen für die Herbstschätze.


Bunte Beeren


Farbenfroh lassen sie unsere Hecken im Herbst erstrahlen: Rot, gelb, blau. Es sind die Pflanzeninhaltsstoffe Flavonoide und Antocyane, die unsere Heckenfrüchte so bunt einfärben und zugleich für uns Menschen so heilsam sind. Agieren sie doch durch ihre antioxidative Wirkung als Radikalfänger und stärken unsere Zellen gegenüber krankmachenden Angriffen, nicht zuletzt Krebs. Dazu strotzen die Immunbooster nur so vor Vitamin C...allerdings auch meist vor Bitter- und Gerbstoffen. Diese lassen sich aber durch geschickte Verarbeitung (wie Einfrieren oder schonendes Kochen) abmildern. Der bittere und saure Geschmack bewahrt uns aber auch davor, größere Mengen der Früchte roh zu verspeisen. Hier ist nämlich Vorsicht geboten. Die meisten Heckenfrüchte gehören zur Familie der Rosengewächse. In den Kernen der Beeren, schlummern Blausäureglykoside, die bei größeren Verzehrmengen zu Erbrechen und Durchfall führen könnten. Die Beeren selbst entfalten ihre heilenden und wohlschmeckenden Eigenschaften frisch oder getrocknet in Form von Tees, Tinkturen, Sirup, Gelees, Marmeladen, Chutneys, Fruchtmus, Saft und, und, und....


Die Hecken selbst sind ein wichtiges Landschaftselement, das leider immer seltener zu finden ist. Früher grenzte die Hecke – der Hag – nicht nur den Grundbesitz ab, sondern schützte auch vor unerwünschten Eindringlingen. Denn zumeist besteht die Hecke aus recht wehrhaften, dornenbewehrten Sträuchern. So bietet sie nicht nur Schutz für ihre Bewohner vor und hinter der Hecke. Auch Kleintieren wie Insekten, Vögeln, Mäusen und anderen Nagern bietet sie einen willkommenen Unterschlupf wie auch wichtige Nahrungsquelle. Einst glaubte man auch, dass man beim widrigen Durchkriechen einer Hecke jedwede Krankheit abstreifen könnte. Sicher ist jedenfalls, dass sie auf natürliche Weise einer übermäßigen Erosion und Verdunstung entgegenwirkt. Der Schutz der Hecken und Feldgehölze hat mittlerweilen glücklicherweise Einzug in die naturschutzrechtliche Behandlung gefunden.



Kurzporträts einiger heimischer Beeren und Heckenfrüchte:


Hagebutten:

Hagebutten sind der Klassiker unter den herbstlichen Heckenfrüchten. Fruchtiger Tee und fieses Juckpulver aus den Kernen gehören (hoffentlich) auch heute noch zu schönen Kindheitserinnerungen. Aber die hübschen roten Früchte der Rosen können noch viel mehr. Genutzt werden können übrigens die Fruchtstände aller Rosen. Hagebutten enthalten extrem viel Vitamin C. Soviel, dass selbst nach dem Kochen noch ausreichend viel für uns übrig bleibt. Neben klassischem Mus, Mark und Marmeladen, kann man Hagebutten auch zu fruchtigem Ketchup verarbeiten oder Kürbissuppen damit eine feine neue Note geben.


Außer für Tee, sollten die Kerne nicht verwendet werden. Der bayrische Volksname "Arschkitzler" spricht für sich. Die juckende Wirkung übersteht nämlich auch die Darmpassage ;-) Will man sowohl Fruchthüllen als auch Kerne für Tee verwenden, bleibt nur, in "meditativer" Handarbeit jede einzelne Hagebutte zu entkernen. Auch die übrigen Kerne aus passierten gekochten Hagebutten kann man für diese Zwecke weiterverwenden. Für den Kernlestee werden 2-3 EL Hagebuttenkerne in 1/2 Liter Wasser über Nacht eingeweicht und am nächsten Tag etwa 30 Minuten bei milder Hitze gekocht. Die Kerne enthalten neben Vitamin C auch Kieselsäure und Vanillin. Während des Kochens entfaltet der Tee sein feines Vanillearoma und eine schöne Rotfärbung. Abseihen und evtl. mit etwas Honig gesüßt genießen. Die Fruchthüllen können sowohl frisch als auch getrocknet als Tee aufgebrüht werden.


Weißdorn:

Der Weißdorn mit seinen kleinen roten perlgroßen Beeren ist seit jeher eine große Schutz- und Heilpflanze. Ob Plinius, Maria Treben, Sebastian Kneipp oder Paracelsus...sie alle kannten und schätzten den Weißdorn mit seiner positiven Wirkung auf Herz, Kreislauf und Blutdruck. Das gilt auch im übertragenen Sinn: Bei "Herzeleid" wie Kummer oder auch stressbedingten Schlafstörungen lohnt die Verwendung von Weißdorn. Heute gibt es zahllose synthetische Produkte in Apotheken und Drogeriemärkten. Aber warum nicht einfach das Gute direkt aus der Natur holen! Jetzt ist die beste Zeit dafür.


Während für Tee und Tinkturen in erster Linie die jungen Blätter und hübschen weißen Blüten des Frühjahrs verwendet werden, können die Herbstfrüchte als Sirup, Mus oder zusammen mit anderen Heckenfrüchten oder Äpfeln zu wohlschmeckender Marmelade verarbeitet werden. Weißdorn allein hat wenig Eigengeschmack und eine eher mehlige Konsistenz, die sich auch im Volksnamen Mehldorn widerspiegelt. Getrocknet kann man die kleinen Vitaminkügelchen auch praktisch überwintern und zwichendurch knabbern. Die Kerne aber besser ausspucken - Blausäure macht Bauchweh wie wir schon gehört haben.


Schwarzdorn (Schlehen):

Schlehen fanden schon in frühzeitlichen Kulturen Verwendung. Auch der tiefgekühlte Eiszeit- "Ötzi"hatte offenbar Schlehen bei sich. Er hat sich wohl mit dem enormen Gerbstoffgehalt abfinden müssen, um seine Vitamin-C-Depots aufzufüllen. Die zusammenziehende Wirkung von Gerbstoffen kann man beim "Genuss" einer rohen Schlehe nachhaltig testen – das "Schlehengesicht" sagt alles. Wir können die blauen, leicht bereiften Beeren allerdings mit recht einfachen Mitteln bekömmlicher machen: Entweder man geduldet sich mit der Ernte bis nach den ersten Frösten (vielleicht hat sich Ötzi dafür entschieden?) oder gibt die Ernte kurzerhand einfach in den Tiefkühler. Beim Kochen mildern sich die Gerbstoffe weiter ab und bringen die herbe Süße dieser Heckenfrüchte zur Geltung. Getrocknet oder als Saft oder Punsch - Schlehen sind eifach gesund und lecker.


Dass Jesus´ Dornenkrone aus seinen Zweigen geflochten wurde, beschämte den Schlehdorn zutiefst. Doch Gott sagte, er bräuchte sich nicht zu grämen, da es nicht seine Schuld gewesen sei. Zur Erinnerung an dieses Geschehen, sollten jedes Jahr zu dieser Zeit weiße Blüten seine Zweige schmücken. Seither erstrahlt der Schlehdorn um die Osterzeit in zartem Blütenkleid. Tee aus diesen Blüten empfiehlt sich übrigens bei Erkältung sowie Nieren- und Blasenleiden. In Öl ausgezogen ergeben sie ein straffendes Hautöl – ideal zur Prävention von Schwangerschaftsstreifen.


Berberitzen:

Die "Zitrone des Nordens" wird die Berberitze auch genannt und verrät schon eindrücklich ihre typische Geschmacksrichtung: Sauer und zwar richtig. Etwa ab September schmücken kleine walzenförmige, hochrote Beeren die Sträucher. Die Beeren sind erntereif, wenn sie vollrot sind und auch das kleinblättrige Laub anfängt, sich rötlich zu färben. Berberitzen lassen sich ideal in der Gefriertruhe bevorraten, da sie nicht zusammenkleben und sich so mühelos portionsweise entnehmen lassen. Sie enthalten ebenfalls sehr viel Vitamin C und sind eine erfrischende Ergänzung bei der Verarbeitung anderer Heckenfrüchte, z.B. in Sirup, Marmeladen.


Kornelkirsche:

Der gelbe Hartriegel wie die Kornelkirsche auch heißt ist eines der härtesten Gehölze. Es ist so schwer, dass es nicht im Wasser schwimmt, sondern untergeht. Ab September entwickeln sich aus den formals gelben Blüten des Frühjahrs olivenförmige hochrote Früchte, die an Kirschen erinnern. Hildegard von Bingen empfiehlt die Kornelkirsche bei Gicht und Magenproblemen. Sie wirkt entzündungshemmend und stopfend. Aber vor allem ist sie kulinarisch interessant: Neben Marmeladen und Sirup, kann man daraus auch "falsche Oliven" herstellen. Die jungen Blätter können beispielsweise zusammen mit Brombeer-, Himbeer- und Erdbeerblättern zu einem bekömmlichen Haustee zusammengestellt werden. Im (vor allem österreichischen) Volksmund heißen sie übrigens auch Dirndln (wie der dazugehörige Dirndlschnaps). Das hat aber nichts mit bayrischen Mädchen zu tun, sondern kommt aus dem slawischen Sprachraum. Die Kornelkirsche ist nämlich urmännlich wie der lateinische Name sagt: Corpus mas.


Vogelbeeren:

Aber die sind doch giftig, oder? Immer wieder hört man diese Frage. Die Antwort: Nein, sind sie nicht! Im Gegenteil: Ähnlich wie die Hagebutten beinhalten die Vogelbeeren so üppige Mengen an Vitamin C, dass selbst nach dem Kochen immer noch ausreichend vorhanden ist. Das Giftige an den Vogelbeeren ist lediglich der für alle Rosengewächse typische Blausäuregehalt. Dagegen hilft nur Kerne ausspucken bzw. nach dem Kochen mit Sieb oder flotter Lotte entfernen oder auch zu Vogelbeer-Rosinen trocknen (auch eine feine Gebäckzutat). Also zugreifen und verarbeiten – zu Fruchtmus, Marmeladen, Schnaps. Vogelbeeren werden auch als "Sängerperlen" bezeichnet aufgrund ihrer wohltuenden Wirkung auf Stimmbänder und Hals.



Grüne Kräuter

Ja, auch in der kalten Jahreszeit versorgen uns einige Wildkräuter mit frischem und vitaminreichem Grün. Ganz ohne Gewächshaus. Einfach weil sie es können. Wer jetzt an kratzig-grobe oder trockene und verholzte Büschel denkt, liegt schwer daneben. Tatsächlich überwintern scheinbar zarte und fast verletzlich wirkende Pflänzchen wie Vogelmiere und Gänseblümchen zuweilen sogar unter einer leichten Schneedecke. In unseren zunehmend milden Wintern umso mehr. Auch das würzige Franzosenkraut und junge Blattaustriebe der Nelkenwurz lassen sich vom Einbruch der kalten Tage nicht abhalten und sind mit ihrem frischen Grün an unserer Seite.


Ebenso schieben Brennnesseln im Herbst gerne neue und äußerst zarte und frische Triebe nach und laden zum "Einkaufen" in der Natur ein. Unvergleichlich mild und ebenso stoffwechselanregend ist so ein Tee aus frischen Brennnesseln. Kulinarisch vielfältig einsetzbar sind die wehrhaften Pflanzen mit ihren Brennhaaren sowieso – ob als Spinatersatz oder frische Zutat für Salate und Smoothies....mmmmmhh. Rezepte, Pflanzenkunde, Geschichtliches und Mystisches sowie heilkundliche Anwendungen findest Du im Brennnessel-Pflanzenporträt.



Wilde Wurzeln

Im Herbst ziehen sich die Pflanzen zurück und speichern ihre Energie und Kraft in ihren Wurzeln. Jetzt ist die richtige Zeit, um die wertvollen Pflanzenteile unter der Erde zu ernten und für uns nutzbar zu machen - sowohl kulinarisch als auch für unser gesundheitliches Wohlbefinden.


Da ist z.B. die Wilde Möhre. Nachdem sie ihr zauberhaftes Sommerkleid ausgezogen und ihre Samen in einer Art "Vogelnest" zusammengezogen hat, schenkt sie uns jetzt ihre schmackhafte Wurzel. Mangels Carotinoiden weiß, muss sich die Mutter aller Karotten geschmacklich nicht hinter ihren orangen Nachkommen verstecken.


Äußerst unscheinbar, aber doch so nutz- und wertvoll zeigt sich unsere heimische Nelkenwurz. Nur noch wenige kleine Blüten mit ihren fünf freundlich-gelben Kronblättern sind um diese Jahreszeit noch zu sehen. Aber dieses Rosengewächs bildet – wie schon erwähnt – immer wieder grundständige junge und recht vitaminreiche Blätter, die sich wunderbar für Salate und Smoothies verwenden lassen. Das Interessanteste liegt auch hier unter der Erde. Wer den würzkräftigen Wurzelschatz vorsichtig birgt, erhält eine wunderbare Zutat für Punsch oder weihnachtliche Gerichte. Ebenso wie die bekannten Gewürznelken enthält die Nelkenwurz Eugenol, das für das typische Nelkenaroma sorgt, z.B. in einem wunderbar roten und wärmenden Schlehenpunsch.


Auch ihre Heilkräfte sind nicht zu unterschätzen. Sie unterstützt nicht nur bei Herz- und Nervenleiden. Als Amulett getragen, schätzte man ihre feinstofflichen Kräfte bei diesen Beschwerden. Darüberhinaus sagt man ihr die Fähigkeit nach, Schwermetalle auszuleiten. Zunehmend taucht die Nelkenwurz mittlerweile auch in städtischen Bereichen auf, die sich durch hohe Abgasbelastungen auszeichnen. Ihr lateinischer Name Geum urbanum mag hier vielleicht schon ein richtungsweisender Hinweis sein.


Beinwell-Wurzeln dürfen in dieser Aufzählung natürlich keinesfalls fehlen. Unser großer "Knochenheiler" liefert uns eine unverzichtbare Zutat für Salben bei Prellungen, Zerrungen oder Meniskusproblemen und ähnlichen Beschwerden. Gesäubert, zerkleinert und getrocknet wird aus der Wurzel ein Ölauszug hergestellt und zusammen mit Bienenwachs und optionsweise Bach Notfalltropfen zu einer hilfreichen Salbe verarbeitet. An dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass Beinwell wie auch z.B. Huflattich Pyrrolizidinalkaloide (PA) enthält. Diesen wurde eine lebertoxische Wirkung bescheinigt und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Doch wie heißt es...Die Dosis macht das Gift. Wer kein Risiko eingehen will, kann natürlich auf Pflanzen aus PA-freien Züchtungen aus der Apotheke oder synthetische Fertigprodukte zurückgreifen (z.B. Kyttasalbe). Auch in der Homöopathie findet der Beinwell unter seinem lateinischen Namen Symphytum Anwendung bei o.g. Beschwerdebildern.


Auch die Standorte der kleinen und großen Bibernelle sollte man sich schon im Sommer merken, denn die Wurzeln der schmackhaften Pflanzen, eignen sich hervorragend für Tees und Kaltauszüge bei Husten und sonstigen bronchialen Erkrankungen.



Lust auf Kräutererlebnisse - live und in natura? Jetzt ist die beste Zeit für eine Erkundungstour zu den Herbstschätzen der Natur mit Beeren, Wurzeln und winterharten Kräutern.

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