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Pflanze des Monats August: Wilde Möhre

Aktualisiert: 7. Aug. 2023

Die Mutter aller Karotten


Die Wilde Möhre – Augenweide und Gaumenschmaus zugleich – begegnet uns dieser Tage üppig blühend an Straßen- wie Wegrändern und Wildblumenwiesen. Die filigranen Blüten mit der charakteristischen dunklen Blüte in der Mitte beflügelten seit jeher die Phantasie der Menschen. Weil sie fast wie kleine Spitzendeckchen aussehen, nennt man die Wilde Möhre in England auch „Spitzen der Königin Anna“. Der Fleck in der Mitte soll ein Tropfen Blut vom Finger der Königin sein, nachdem sie sich mit einer Nadel gestochen hatte.


Die wilde Möhre beflügelt nicht nur die Phantasie, sondern auch die Lust. Schon bei den alten Griechen war die würzige Wurzel der wilden Möhre aufgrund ihrer aphrodisierenden Wirkung bekannt und beliebt.


Die Mutter aller Karotten

Die Wilde Möhre gehört zu den ca. 20 Arten innerhalb der Gattung Möhren und ist wohl ein „Elternteil“ der bekannten Gartenmöhre. Diese ging - so nimmt man nach heutigem Stand der Erkenntnisse an - aus einer Kreuzung mit der in Südeuropa vorkommenden Riesenmöhre (Daucus carota subsp. maximus) und ggf. der Schwarzmöhre (Daucus carota subsp. afghanicus) hervor.

Im Gegensatz zu ihren populären Nachkommen ist die Wurzel der wilden Möhre nicht orange, sondern weiß - vergleichbar mit der Petersilienwurzel. Das ist dem geringeren Carotin-Anteil geschuldet Geschmacklich kann die wilde Mutter aber durchaus mithalten. Zudem lassen sich Samen als auch Blüten und Blätter in der wilden Küche wunderbar einsetzen.


Die Laubblätter sind eine wichtige Nahrungsquelle für die Raupen des Schwalbenschwanzes, der sich häufig am Stiel verpuppt.



Steckbrief:

Familie: Doldengewächse (Apiaceae) Pflanzenname: Wilde Möhre (Daucus carota) Volksnamen: Kälberscheiß, Vogelnest, Rüebli


Merkmale: Die 2-jährige Pflanze wird ca. 50 bis 100 cm hoch. Nach der Grundrosette im ersten Jahr bildet sie im Folgejahr am behaarten Stängel zarte, 2 bis 4-fach gefiederte Blätter. Von Mai bis September zeigen sich auffallende, weiße Doldenblüten, die in der Mitte häufig die charakteristische durch Anthocyane dunkelviolette Mohrenblüte zeigen. Diese dient als Lockmittel für Bestäuber (Käfer). Denn wie auch so oft bei den Menschen, agieren die Käfer nach dem Motto: "Wo einer ist, muss es was Interessantes oder Gutes geben" und scharen sich um das Objekt der Begierde. Diese sogenannte Mohrenblüte tritt häufig, jedoch nicht immer auf, so dass sie nicht zuverlässig als eindeutiges Erkennungsmerkmal herangezogen werden kann und sollte. Die Dolde besitzt eine Art Netz aus auffallend feinen Hüllblättern. Bei Feuchtigkeit und zur Fruchtreife krümmt sich die Blüte zusammen und erinnert an ein Vogelnest. Die Fruchtstände sind borstige Doppelachänen.


Vorkommen: Weiden, Ruderalflächen, Wegränder, Steinbrüche. Die wilde Möhre liebt trockene, kalkreiche Böden.


Inhaltsstoffe: Vitamin C, A, B, Pektine, ätherische Öle


Wirkung und Verwendung:


Küche:

Wilde Tomatenecken

Verwendung finden nicht nur die gesunden und schmackhaften Wurzeln, die idealerweise im ersten Jahr verwendet werden sollte, bevor die Energie in die Blütenbildung geht. Auch Blätter, Blüten und Samen mit ihrem feinen Karottenaroma sind eine Bereicherung zum Würzen und Verfeinern von Suppen, Gemüse, Salaten und Smoothies. In Öl oder Butterschmalz frittierte Blütendolden sind z.B. leckerer Hingucker auf „normalem“ Karottengemüse.


Appetit bekommen? Das Rezept für die Wilden Tomatenecken ist ganze einfach.


Heilkunde und Naturkosmetik: Wurzeln: Ein Brei aus gekochten Wurzeln der Wilden Möhre ist durch den hohen Pektingehalt sehr hilfreich bei Durchfall.


Samen: Tee aus Samen der Wilden Möhre regt die Menstruation an und wird sogar empfängnisverhütende Wirkung nachgesagt. Schwangere sollten daher auf den Genuss dieses Tees besser verzichten. Zudem ist der Tee ein wirksames Mittel bei Blähungen (ähnlich Kümmel). Äußerlich angewendet zeigt das Öl aus den Samen eine sehr wohltuende Wirkung auf die Haut: Kühlend bei leichtem Sonnenbrand und glättend als Zugabe in Anti-Aging-Cremes.



Deko:

Gepresste Blüten sind eine zauberhafte Deko – wie kleine Spitzendeckchen aus der Natur. Die filigrane Struktur der Blütenstände kommt so ganz besonders zur Geltung. Wenn Du keine Blütenpresse besitzt, kannst Du die Schönheit dieser Pflanze einfach konservieren, indem Du die Blüten zwischen schweren Büchern trocknest und presst. Am besten jeweils Zeitungs- oder Löschpapier zwischen die Seiten. Das verbessert nicht nur die Trocknung, sondern schützt auch die Buchseiten vor etwaiger Verschmutzung.


Gepresste Blüten der Wilden Möhre auf Holztisch
Getrocknete und gepresste Blüten der Wilden Möhre liefern hübsches Dekomaterial

Sind die Blüten gepresst, kannst Du sie vielseitig verwenden:

  • Als Tischdeko - besonders hübsch auf dunklen Holztischen oder einfarbigen Tischdecken mit kräftigen Farben

  • Aufgeklebt auf selbst hergestellten Gruß-, Tisch-, Einladungskarten

  • Selbst gestalte Bilder aus Naturmaterialien. Gepresste Pflanzen auf passendes (Farb-)Papier kleben und rahmen.

  • Überrasche Deine Gäste mit herrlichen und ebenso einzigartigen Untersetzern für Gläser oder Karaffen. Dazu einfach die gepressten und gut trockenen Blüten laminieren und zuschneiden. Fertig.

  • Als Fensterschmuck ersetzten sie schnöde Schneeflocken-Klebebilder - natur oder laminiert (haltbarer und mehrfach verwendbar)


Lust auf mehr Kräutererlebnisse - live und in natura? Wie wär's mit einer Kräuterführung oder einem Workshop, bei dem man lernt, die gesammelten Wildkräuter direkt zu verarbeiten! Einfach aktuelle Führungen und Workshops durchstöbern.


FAQ:

  1. Kann man Wilde Möhren essen? Ja, Wilde Möhren sind in allen Pflanzenteilen essbar. Die Blätter können frisch oder getrocknet als Würze zu Suppen, Salaten, Smoothies & Co. verwendet werden. Die Blüten lassen sich frisch oder beispielsweise auch frittiert als leckeres Topping nutzen. Die Wurzel der zweijährigen Pflanze erntet man im ersten Jahr im Herbst oder im Folgejahr im zeitigen Frühjahr – also bevor die Kraft der Pflanze in die oberirdischen Triebe wandert. Sie ist mangels Carotinoiden weiß, schmeckt aber würzig karottig.

  2. Wo wachsen Wilde Möhren? Wilde Möhren lieben trockene, sonnige Standorte. Häufig findet man sie auf schottrigen oder sandigen Ruderalflächen und Wegrändern, aber auch an sonnenverwöhnten Magerwiesen.

  3. Wie erkennt man die Wilde Möhre? Die Wilde Möhre ist ein sogenannter Doldenblütler. Da zu dieser Pflanzenfamilie auch äußerst giftige Vertreter wie der gefleckte Schierling zählen und die Blütenstände auf den ersten Blick sehr ähnlich erscheinen, erfordert die Bestimmung in der Regel ein hohes Maß an Erfahrung und Kenntnis. Die Wilde Möhre allerdings hat unter anderem zwei recht auffällige Merkmale, die sich auch von Wildkräuter-Einsteigern gut erkennen lassen:

  • Auf der Unterseite der Blüte zeigen sich netzartig aufgespannte Hüllblätter. Sie sehen aus wie ein Spitzendecken. Dies ist einzigartig bei der Wilden Möhre

  • In der Mitte der Blüte erscheint häufig – nicht immer! – die sogenannte Mohrenblüte. Mit dieser einzelnen purpurnen, fast schwarzen Blüte simuliert die Pflanze Insekten und lockt damit Bestäuber an. Weitere Erkennungsmerkmale.


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