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Stinkender Storchschnabel

Das Kinderwunschkraut


Den wenig schmeichelhaften Beinamen hat sich der Stinkende Storchschnabel mit seinem doch recht eigenwilligem Geruch nicht zu unrecht erarbeitet. Doch seine enormen Heilkräfte machen diesen Umstand schnell zur Nebensache. Schon im Mittelalter schrieb man der Pflanze fruchtbarkeitssteigernde Wirkungen zu und setzte sie als Tee oder Wein bei unerfülltem Kinderwunsch ein. Es heißt, auf feinstofflicher Ebene vereine sie weibliche und männliche Elemente in sich, die sich in Harmonie vereinen. Hildegard von Bingen empfahl sie zudem bei Herzeleid und Melancholie. Eine wahre Glückspflanze.

Namenskunde

Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlichster Herleitungen. Eine eindeutige Zuordnung gibt es nicht - es steckt ein wenig Wahrheit in allem: Für die Bezeichnung Storchschnabel mag das altgriechische „geranos“ = Kranich ursprünglich sein, das die typische Fruchtform aufgreift. Zudem spielt die Anlehnung an den Storch als „Kindsmacher“ eine wesentliche Rolle, da die Pflanze schon im Mittelalter bei ungewollter Kinderlosigkeit eingesetzt wurde. Der Stinkende Storchschnabel ist aber auch unter dem Namen Ruprechtskraut bekannt. Hier soll der heilige Ruprecht, der erste Bischof und Landesheilige von Salzburg, der das Heilkraut lehrte, Pate gestanden haben. Der althoch-deutsche Begriff rotpreth=rötlich mag ein Bezug zur Färbung der Pflanze darstellen. Eindeutiger sind volkstümliche Bezeichnungen wie Rotlaufkraut - die Pflanze wurde zur Behandlung der gleichnamigen Erkrankung verwendet.

(Über-)Lebenskünstler

Das eher unscheinbare Kraut führt in der Regel ein eher unbeachtetes Dasein als typisches Unkraut. Dabei gedeiht es in unterschiedlichsten - auch extremen -Lichtverhältnissen. Die Pflanze ist einerseits äußerst schattenverträglich und kann mit weniger als 1/40 des normalen Tageslichts auskommen. Blattgelenke machen es ihr möglich, die Blattspreiten immer optimal zum Lichteinfall zu positionieren, so dass sie sogar in Höhleneingängen überleben kann. Andererseits kann sie auch mit voller Sonne gut umgehen - Lichtschutzpigmente geben ihr dann die auffallende Rotfärbung.

Der Stinkende Storchschnabel ist ein sogenannter Spreizklimmer, d.h. die Stiele der unteren Blätter stützen die Pflanze am Boden ab, was an felsigen Standorten besonders hilfreich ist.

Die Bestäubung erfolgt primär durch Bienen. Fehlt es an Sonne, greift die Pflanze schon mal zur Selbsthilfe/-bestäubung, indem sie die Blüten durch Krümmung der Stiele nach unten dreht. Die Früchte können aus der Mittelsäule bis zu 6 m weggeschleudert werden. Sicherheitshalber ist aber auch Klettverbreitung möglich durch Haarstränge an der Frucht.


Wirkung und Verwendung

Kulinarisch spielt der Stinkende Storchschnabel kaum eine Rolle, wenngleich das Kraut und auch die dekorativen Blüten essbar sind. Abgesehen vom wenig einladenden Geruch, lassen die nicht unerheblichen Gerb- und Bitterstoffe bestenfalls eine dezente Verwendung als Würzkraut oder als hübsche Blütendeko zu.


Heilkunde

In der Volksmedizin ist der Stink-Storchschnabel ein vielgepriesenes Heilkraut. Der frische Presssaft oder Tee aus getrockneten Pflanzenteilen wird bei Blutungen aller Art empfohlen, von Nasenbluten über Menstruationsblutungen bis hin zu Wunden. Die adstringierenden Gerb- und Bitterstoffe wirken positiv bei Durchfall wie auch als Umschlag oder Tinktur bei Hautproblemen oder auch zur Behandlung von Herpes. Zur Verbesserung der weiblichen Scheidenflora können Zäpfchen aus Geranium und Alchemilla (Frauenmantel) hilfreich sein. Allen voran wird der Stink-Storchschnabel bei Kinderwunsch als segensreiche „Nestbereiterpflanze“ genannt.


Tee und Wein zur „Nestsäuberung“: Aus Storchschnabel, Gundermann und Goldrute (zu gleichen Teilen) einen Aufguss bereiten, 10 Minuten ziehen lassen. Beide Partner sollten 3 Wochen 2 Tassen täglich trinken. Oder Storchschnabelkraut mit Rosenblüten und Vanillestange und Rosinen in Rotwein ansetzen…Prost!


Im seelischen Bereich kann das Ruprechtskraut als Tee oder Tinktur positiv unterstützen bei Melancholie und depressiven Verstimmungen. Aber auch zur unterstützenden Verarbeitung traumatischer Erlebnisse, ähnlich der Bachblüten Notfalltropfen findet der Stinkende Storchschnabel Erwähnung. Diese Anwendungsbereich kann durch Räucherungen mit der Pflanze alternativ oder zusätzlich begleitet werden.


Steckbrief Stinkender Storchschnabel

Familie: Storchschnabelgewächse (Geraniaceae) Pflanzenname: Stinkender Storchschnabel (Geranium robertianum) Volksnamen: Ruprechtskraut, Rotlaufkraut, Gottesgnadenkraut, Wanzenkraut


Merkmale: Die etwa 20 bis 50 cm hohe ein- bis zweijährige Pflanze zeigt stark verzweigte - insbesondere an hellen Orten - rötliche Stengel mit Drüsenhaaren. Die gegenständigen, handför-migen Blätter sind gestielt und doppelt gefiedert. Beim Zerreiben der Blätter verbreitet sich der typisch modrige Geruch. Von Mai bis Oktober blühen rosa bis purpur-farbene radiäre Blüten - in der Regel zu je zwei pro Stiel und mit helleren Streifen. Aus der Blüte entwickelt sich die charakteristisch schnabelförmige Frucht, die dem eines Storches oder Kranichs ähnelt.


Vorkommen: Hecken, Mauern, Felsen, Schluchten, Auen, Wälder, Schuttplätze, teilweise sogar in Rissen von Bäumen, liebt feuchte, nährstoffreiche, steinige Böden


Inhaltsstoffe: Bitterstoffe (vor allem in der Wurzel), Gerbstoffe, ätherisches Öl (vor allem in der frischen Pflanze)


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Die Beschreibungen ersetzen keine medizinische Beratung. Alle Darstellungen beruhen auf tradierten Überlieferungen und volksheilkundlichen Erfahrungen. Bei Beschwerden und Krankheitszeichen ggf. den Arzt des Vertrauens konsultieren.

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