Knotige Braunwurz

Zauberhaft unscheinbar


Häufig steht sie in der ersten Reihe und bleibt doch meist unbemerkt - die Braunwurz. Ihre scheinbar unscheinbare Gestalt lässt nicht nur unsere Augen, sondern auch unser Interesse über sie hinweggleiten. Die wenigsten kennen ihre tiefgreifende mobilisierende Wirkung auf den Lymphfluss, der essenziell für Genesung und Gesundheit ist. Schaut man genauer hin - vorausgesetzt man hat sie einmal wahrgenommen - so offenbart sie ihren unverwechselbaren Zauber und ihre Schönheit.


weißlich-knollige Wurzel der knotigen Braunwurz
Die Signatur des knolligen Rhizoms der Braunwurz erinnert an Lymphknoten

Von der Blüte bis zur Wurzel – bei kaum einer Pflanze wird die Signaturenlehre so deutlich. Volksheilkundliche Überlieferungen berichten, dass die knotige Braunwurz die Lymphe zum fließen bringt. Anders als ein gebrochenes Bein oder eine Grippe, ist ein gestörter Lymphfluss für sich erst einmal nicht wahrnehmbar. Sie ist die eigentliche Ursache vieler Störungen, die aber häufig erst nach sehr genauer und aufmerksamer Betrachtung erkannt wird. Ähnlich wie die Braunwurz. Ihre braun-gelben Blütenköpfe sind so klein, fast nicht als Blüte erkennbar, wirken sie eher wie winzige Knospen. Bei genauer Betrachtung sind sie aber von bezaubernder Gestalt. Die knotenartige Struktur der weißlichen Wurzel wiederum erinnert stark an die Lymphknoten in unserem Körper. Unsere kräuterkundigen Vorfahren erkannten und nutzten diesen augenscheinlichen Zusammenhang.


Skrofulose - das Krankheitsbild einer schwachen Lymphe

Ist der Lymphfluss gestört, so hat das weitreichende Auswirkungen. Das menschliche Lymphsystem ist quasi ein ausgeklügeltes Transportwesen, das vereinfacht gesagt dafür sorgt, dass unter anderem abgestorbene Zellen, Stoffwechselprodukte, Mikroorganismen und natürlich auch Krankheitserreger abtransportiert werden. Ist dieses System gestört oder gestaut, macht uns das krank. Manchmal so nachhaltig, dass man kränkelt und kränkelt und einfach nicht mehr auf die Füße kommt. Skrofulose nannte man das früher. In alten Schriften war das noch ein gängiges Krankheitsbild, unter dem vielfältige Symptome beschrieben wurden: von dauerhaft kränkelnden, schwachen Kindern bis zu skrofulösen Geschwüren und Ekzemen. Auch heute verursachen Lymphstauungen entsprechende Krankheitsbilder. Unbehandelte Lymphödeme können beispielsweise schwerste Gewebeschäden und schwer heilende offene Beine zur Folge haben. In der heutigen Schulmedizin findet sich der Begriff Skrofulose jedoch nicht mehr. Die genannten Symptome und Krankheitsbilder werden – wenn überhaupt – unter dem Begriff lymphatische Diathese subsumiert.

Meine älteste Tochter war so ein skrofulöses Kind. Ohnehin häufig krank, erholte sie sich nach einem Pfeifferschen Drüsenfieber nicht mehr. Das eigentlich lebhafte fröhliche Mädl wurde immer hinfälliger. Sie lag nur noch herum, wurde immer blasser bis sie geradezu „durchsichtig“ wie ein Geist war. Die Ärzte zuckten mit den Schultern. Der Himmel schickte uns eine begnadete Heilpraktikerin, die meine Tochter wieder ins Leben zurückführte. Ihre Lymphe war geradezu zum Erliegen gekommen. Das ist nun fast 30 Jahre her und ich werde immer dankbar sein für die besonnene Unterstützung dieser heilkundigen Frau. Damals besann ich mich auf meine naturheilkundliche Ausrichtung. Ich lernte. Lernte von Heil- und Kräuterkundigen und auch, wieder mehr auf mein Bauchgefühl zu hören.


Blütenrispe der Knotigen Braunwurz

Die Braunwurz selbst kannte ich lange auch nicht. Man findet sie eher selten in der Literatur. Naturheilkundlich orientierte Zeitgenossen retteten die volksmedizinischen Beschreibungen aus den alten Kräuterbüchern der „Väter der Botanik“ Hieronymus Bock oder Leonhard Fuchs in die Neuzeit. In einem großartigen Wurzelseminar der wunderbaren Kräuterweisen Adelheid Brunner, die das Alte Wissen für eine neue Zeit für uns erfahr- und erlebbar macht, lernte ich auch die feinstofflichen Qualitäten der Braunwurz kennen. Sie beschreibt, welch starke Verbindung die Braunwurz zur Heilung allgemein und auch zur Weiblichkeit im Speziellen hat. „sie heilt auch schwere seelische Verletzungen der Weiblichkeit. Sie heilt vollständig“, weiß Adelheid Brunner.

Insekten-Buffet

Während wir Menschen die Braunwurz gerne übersehen, steht sie bei Wespen, Bienen und einigen Schmetterlingen hoch im Kurs. Vor allem die Faltenwespen bedienen sich gerne an den frei zugänglichen Nektarien der offenen Blütenform. Bei der Gelegenheit „pudert“ die Braunwurz die Wespen auch gleich mit Blütenstaub ein - Bestäubung on-the-fly. Auch der Braunwurz-Mönch nutzt die Triebe seines Namensgebers als Futterquelle – er setzt seine Schmetterlingslarven direkt ans Buffet, ebenso wie kleine Käferarten wie der Braunwurzblattschaber. Ein Mikrokosmos an Lebewesen, der einmal mehr zeigt, wie wichtig es ist, solche Biotope zu schützen im Sinne nachhaltiger Artenvielfalt.



Steckbrief Knotige Braunwurz

Familie: Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae)

Pflanzenname: Knotige Braunwurz (Scrophularia nodosa) Volksnamen: Feigwurz


Merkmale: Die ausdauernde Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von etwa 1m. Die Wurzel zeigt weißliche, knotige Knollen, die der Braunwurz ihren Beinamen gaben. Meist zeigt sie nur einen Stiel, seltener Verästelungen. Am 4-kantigen Stängel wachsen gegenständig gestielte herz-, oben eher eiförmige Blätter. Die Blätter sind am Rand gesägt und nach vorne zugespitzt. Von ca. Juni bis Oktober entwickelt sich ein Blütenstand in lockeren Rispen. Die kleinen bauchigen Blüten zeigen ein schönes Braun mit einer gelben „Unterlippe“. Zerreibt man die Pflanze, verströmt sie einen eher unangenehmen, modrigen Geruch.


Vorkommen: Wald- und Wegränder, bevorzugt feuchte, nährstoffreiche, kalkarme Böden und schattige bis halbschattige Standorte


Inhaltsstoffe: Saponine, Flavonglykoside, Herzglykoside, Alkaloide, organische Säuren


Verwendung: Die knotige Braunwurz wirkt entgiftend, ausleitend, antiviral (hilfreich bei Herpes). Mobilisiert das Lymphsystem - unterstützend bei Lymphdrüsenschwellungen und den typischen Erscheinungsbild der Skrofulose wie anhaltende Kranheitsanfälligkeit, Schwäche. Hilfreich bei Ausschlägen, Ekzemen, Akne, Schuppenflechte, Neurodermitis, Hämorrhoiden. Saponine sorgen für eine entwässernden Wirkung, die sich auch bei Harnwegsinfekten bewährt. Einige Schriften berichten auch von einer erfolgreichen Anwendung bei Diabetes.


Anwendung:

Tee als Kaltansatz: 1 TL getrocknete Braunwurzblätte in 250ml kalten Wasser mindestens 8 Stunden oder über Nacht ansetzen. Abseihen und ggf. leicht angewärmt trinken.

Konventionelle Teebereitung aus frischen oder getrockneten Blättern: 1 EL frisches oder 1TL getrocknete Blätter mit 1/4 kochendem Wasser überbrühen, nach 10 Minuten Ziehzeit abseihen, 2 x täglich 1 Tasse kurmäßig über 4-6 Wochen

Getrocknete Wurzeln für Tinkturen und Ölauszügen zur Weiterverarbeitung als Salbe

Homöopathie: Scrophularia nodosa bei o.g. Krankheitsbildern

Auch das Arzneimittel Lymphdiaral verwendet die Heilkraft der Braunwurz bei Halsentzündungen

Die Braunwurz ist aufgrund der enthaltenen Herzglykoside, Saponine und Alkaloide leicht giftig. Eine hochdosierte und vor allem langfristige Einnahme ist daher unbedingt zu vermeiden. Bei geringer und kurzer intervallartiger Anwendung, z.B. Teekur über maximal 6 Wochen, lassen sich die positiven Effekte nutzen. Im Zweifelsfall Experten zu Rate ziehen und Selbstexperimente unterlassen.


Die Beschreibungen ersetzen keine medizinische Beratung. Bei Beschwerden und Krankheitszeichen ggf. den Arzt des Vertrauens konsultieren.




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