Pflanze des Monats Juli: Mädesüß

Wiesenkönigin und natürliches Aspirin


Fluffig weiß-gelbliche Wedel ragen im Hochsommer aus Wiesen und Bachufern, was dem Mädesüß im Volksmund den Namen Wiesenkönigin einbrachte. Die Blätter der Pflanze mit ihrer ausgeprägten Nervatur erinnern an die der Ulme - eine Signatur, die im wissenschaftlichen Namen Filipendula ulmaria aufgegriffen wurde. Süß in Duft und Aroma wurde die Pflanze von Alters her gerne für die Herstellung von Bier, Wein und vor allem Honigwein verwendet. Der süße Met liegt als volkstümlicher Namensgeber nahe. Die berühmteste Namensverbindung ist und bleibt aber wohl die bekannte Schmerz- und Fieberarznei „Aspirin“, die mit ihrem synthetisch hergestellten Wirkstoff-Pendant nicht nur die Wirkungsweise des natürlichen Inhaltsstoffes Salicylsäure im Mädesüß nachbildet, sondern auch den wissenschaftlichen Namen der Blüte (Spiraeae flos) im Markennamen würdigt.


Steckbrief:

Familie: Rosengewächse (Rosaceae) Pflanzenname: Mädesüß (Filipendula ulmaria) Volksnamen: Spierstaude, (Wiesen-)Geißbart, Wiesenkönigin


Merkmale: Aus der ausdauernden bis zu 1,5 m hohen Staude treibt häufig ein rot überlaufener Stängel, wobei die Seitenzweige der endständigen Rispe die Hauptachse überragen. Von Juni bis August öffnen sich gruppenweise trugdoldige weißlich-gelbe Blütenstände. Die wechselständigen, unterbrochen gefiederten Blätter zeigen eine charakteristisch fiedrige Nervatur und eine silbrig behaarte Unterseite.


Vorkommen: Gräben, Bachufer, nasse/moorige Wiesen, Auenwälder, bevorzugt nasse, nährstoffreiche Böden


Inhaltsstoffe: Ätherische Öle (werden z.T. erst nach dem Trocknen frei), Salicylsäureverbindungen, Flavonoide, Schleim- und Gerbstoffe


Heilkundliche Verwendung:

Die schmerzstillende, fiebersenkende und entzündungshemmende Wirkung der Salicylsäureverbindungen machen das Mädesüß zum hilfreichen Heilkraut bei Erkältungskrankheiten, aber auch bei Kopf- und anderen Schmerzen. In der Volksheilkunde und Phytotherapie wird auch der harntreibende Effekt der Pflanze geschätzt. Verwendet werden Blüten wie Blätter als Tee oder Tinktur.

Natürliches Aspirin ohne Nebenwirkungen Das echte Mädesüß ist ein beeindruckendes Beispiel für die ausgeklügelten Strategien der Pflanzen. Trickreich ist die Salicylsäure in der Pflanze in ein Aldehyd verpackt. Erst in der Leber wird diese chemische Form in eine Aktive umgewandelt und entfaltet dann seine schmerzstillende, fiebersenkende und entzündungshemmende Wirkung. Ganz magenschonend im Gegensatz zur synthetisch hergestellten Acetylsalicylsäure im bekannten Aspirin. Flavonoide, Gerb- und Schleimstoffe unterstützten diesen Vorgang. Wie die Pflanze es schafft, Oxidations-prozesse im Körper zu verhindern, ist bislang ungeklärt. Bei der Dosierung ist zu beachten, dass die Wirkung langsamer einsetzt als beim synthetisch hergestellten Aspirin - die natürliche Variante zeigt erst nach etwa 2 Stunden ihre volle Wirkung. Deshalb nicht vorschnell nachdosieren. Überdosierungen können sich durch Magenbeschwerden und Übelkeit bemerkbar machen. Empfindliche Nasen assoziieren den Duft von Mädesüß auch häufig mit dem typischen Geruch einer Arztpraxis.


Mädesüß-Tropfen: 3 ganze, klein gezupfte Mädesüßblüten in ein Schraubglas geben. Mit 40%igem Korn aufgießen und 1 Monat im Halbschatten ziehen lassen. Abseihen und in dunkler Flasche aufbewahren. Nach Bedarf 10 Tropfen einnehmen und im Mund verteilen.


Kulinarische Verwendung: Das fein-süße Aroma mit Vanille- und Mandelnoten macht das Rosengewächs zur idealen Beigabe für Süßspeisen. Ein warmer Milch- oder Rahmauszug der Blüten bildet eine aromatische Basis für Desserts. Auch in Kognak angesetzt bildet sich das typische Mädesüß-Aroma exzellent aus.


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