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Das Geheimnis der schwarzen Knospen

Die Legende von der mutigen Esche



Manche Bäume haben so prägnante Erkennungsmerkmale, dass man sie auch ohne ausgeprägte botanische Expertise bestimmen kann. Manche Bäume sogar ohne das typische Blattwerk. Die Birke mit ihrer weißen Rinde zum Beispiel erkennt fast jedes Kind. Auch die Esche erkennst Du gerade in den blattlosen Wintermonaten ganz leicht: Ihre rußschwarzen Knospen sind so edel und schön wie auch einzigartig in der Welt der Bäume. Aber weißt Du auch, warum sie so aussehen? Nein? Dann sei gespannt auf die Legende der schwarzen Eschenknospen


Eines Tages überlegte der Teufel: „Nun, was könnte ich heute tun? Ich werde hinausgehen in den Wald. Es ist an der Zeit, dass die Bäume mir ihre Ehrerbietung erweisen!“ Und so geschah es, dass der wilde Beelzebub hinauszog in den tiefen Wald. Er stapfte mit seinem Pferdefuß an einer Hecke vorbei und verfing sich mit den Hörnern an einigen Zweigen von stacheligen Wildrosen und Schlehen. Wütend fluchte er vor sich hin und bahnte sich grob seinen Weg vorbei an Moosen und Flechten zu seinem ersten Ziel: Die Birke. Zart und elfengleich stand sie da in einer Lichtung mit ihren feinen langen Zweigen, die wie seidiges Haar im Wind flatterten. Sie, die sie Bridig, die weiße, junge kindliche Naturgöttin verkörpert und im zeitigen Frühjahr vom Aufkeimen der Natur kündet, erschauderte als sie den Teufel erblickte. „Los, verneige Dich vor dem Teufel, Du schuldest mir Deine Ehrerbietung!“, herrschte sie der Teufel voll Kälte an. Die Birke überlegte nicht lange. Sie war weiß vor Angst. Sie beugte ihren Stamm und ihr Zweigwerk fiel wie Rapunzelhaar vor dem Widerling nieder. Hämisch lachte der Teufel und polterte weiter zur Pappel.

Schreckhaft wie sie nun mal ist, erzittert die Pappel schon bei leisestem Wind. Ihr könnt Euch vorstellen, was passierte, als sich der Teufel vor ihr aufbaute. Er brauchte erst gar nichts zu sagen. Die Zitterpappel verbeugte sich in äußerster Panik und ihre kleinen, zackigen Blättchen zitterten, dass es nur so rauschte. Vielleicht hast Du auch schon mal gezittert wie Espenlaub…na dann weißt Du ja Bescheid. Das selbstgefällige Lachen des Gehörnten dröhnte durch den Wald, dass sich sogar der Farn wieder einrollte.


Und so stampfte er lautstark von Baum zu Baum. Und mit jeder Station und jedem Baum, den er in die Verbeugung zwang, wuchs seine Überheblichkeit. Selbst Buchen und Eichen - die Stolzesten und Mächtigsten unter den Bäumen - sahen keinen Ausweg und ergaben sich letztlich der Erniedrigung, dem Teufel mit Ihrer Verbeugung die vermeintliche Ehrerbietung zu erweisen.


Fuchsteufelswild

Zuletzt kam der Teufel zur Esche. Riesig und mächtig stand sie da. Schon unsere nordgermanischen Ahnen huldigten ihr als Weltenbaum Ygdrassil, der die Unterwelt, das Irdische und das Himmelsgewölbe verband. Von seinem zweifelhaften Siegeszug berauscht, lachte der Teufel nur lauthals und selbstgefällig als er die Esche mit einer gönnerhaften Geste zu einer Verbeugung anwies. Er staunte nicht schlecht, was dann geschah…nämlich genau nichts. Die Esche schien fast ein wenig empört. Das war wohl ein schlechter Witz?! Hatte sie seine Geste nicht verstanden, das dumme Ding? Doch dann sprach die Esche: „Vor Dir verbeugen? Niemals! Meine Loyalität gehört nur einer und das ist Mutter Erde. Von ihr komme ich und zu ihr gehe ich. Ihr und nur ihr erweise ich meine Ehrerbietung.“ Eine Weile war es still im Wald. Das Rauschen der Blätter war verstummt, ebenso wie das Zwitschern der Vögel. Nichts regte sich mehr. Der Wald hielt den Atem an. Und dann durchbrach ein ohrenbetäubendes Grollen das Schweigen des Waldes. Aus dem Teufel brach unbändiger Zorn heraus und er schickte eine gewaltige Feuersbrunst über die widerspenstige Esche. Fuchsteufelswild stürmte er fort und kam nie wieder. Doch seit diesem Tag trägt die Esche rußschwarze Knospen, die von der Standhaftigkeit und tiefen Verwurzelung mit Mutter Erde erzählen.


Es gibt noch einige andere Bäume, die Du auch im Winter ohne Blätter, Blüten oder Früchte an typischen Merkmalen erkennen kannst. Überrasche Deine Familie oder Freunde doch beim nächsten Spaziergang mit Deinem Naturwissen. Mach dich schlau im Blogbeitrag Baumkunde leicht gemacht. Vier Bäume, die Du auch im Winter leicht bestimmen kannst.


© wildekräuterkatze

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