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Baumkunde leicht gemacht

Vier Bäume, die Du auch im Winter leicht bestimmen kannst


Tanne oder Fichte? Kannst du sie unterscheiden? Nicht wenige Menschen stoßen schon hier an ihre Grenzen, obwohl die immergrünen Gehölze das ganze Jahr über ihr typisches „Blätterkleid“ tragen. Bei den Laubbäumen wird es dann meist noch kniffliger. Im Sommer liefern Blätter, Blüten und Früchte noch wichtige Erkennungsmerkmale. Aber im Winter? Gewusst wie! Mit ein paar kleinen Tipps kannst Du einige Bäume selbst im kahlen Zustand leicht identifizieren…und mit Deinem Naturwissen Familie und Freunde beim nächsten Spaziergang in Staunen versetzen :-)



Die Birke ist die leichteste Übung – quasi das Aufwärmprogramm. Ihre weiß-graue Rinde, die sich häufig aufgrund des schnellen Birkenwachstums wie Papierfetzen abrollt, ist so augenfällig und unterscheidet sich deutlich vom verbreiteten Grau-Braun der meisten Laubbäume. Dieses Weiß wird erzeugt durch einen Inhaltsstoff der Birke: Betulin. Dieser ölig bitter schmeckende Wirkstoff sorgt nicht nur für die typische Färbung, sondern schreckt auch Fressfeinde wie Wild ab. Mit der weißen Borke schützen sich die Birken darüber hinaus auch vor Sonnenbrand. Ziemlich schlau!


Die meisten Menschen sind vertraut mit dem typischen Erscheinungsbild und erkennen Birken auf Anhieb - die Jüngeren. Aber aufgepasst: Kommt die Birke in die Jahre, verliert sie zunehmend ihr jugendliches Weiß. Alte große Birken zeigen sich mit eher grau-schwarzer Borke. Die Birke ist ein Frühstarter. Als Pionierbaum erobert sie als eine der ersten Besiedler Brach- und Rodungsflächen zurück. Und im Frühjahr ist sie einer der ersten Bäume, die den sogenannten „Frühjahrsstrom“ in Gang setzen, indem Sie Wasser aus dem Wurzeln zum Stamm hochpumpt. Damit lässt sie die Blätter austreiben und ermöglicht mit dem Austreiben der ersten Blätter, dass die Photosynthese in Gang gesetzt wird. Bei der Birke ist dieser Frühjahrsstrom so stark, dass man mit ein wenig Glück das Gluckern im Stamm hören kann.



Die Kirsche: Im Sommer erkennt sie jedes Kind an ihren leckeren süßen roten Früchten. Aber im Winter? Kein Blatt, keine Frucht und jetzt? Das Geheimnis ist ihre Rinde. Wie Pippi Langstrumpf trägt sie nämlich gerne Ringelsocken. Tatsächlich erkennt man Birken an ihren typischen waagrecht geringelten Borken - graubrauner, manchmal rötlicher Stamm mit helleren Querstreifen. Botanisch gehört die Kirsche zur riesigen Familie der Rosengewächse - eine echte Multikultifamilie. Zu ihr gehören Mitglieder, die unterschiedlicher nicht sein können: Wer hätte gedacht, dass Kirschen und andere heimische Obstsorten wie Himbeere, Pflaume, Aprikose und Co. verwandt sind mit stachligen Hagebutten, Weißdorn und Schlehen oder auch heilkräftigem zartem Frauenmantel oder Mädesüß. Allen gemein ist ihr pflanzlicher Inhaltsstoffe, die giftige Blausäure. Aber halb so schlimm…Kerne ausspucken und lieber in ein wärmendes Körnerkissen stecken.



Große Buchenstämme mit borkigen Umrandungen an Astverzweigungen
Chinesenbärte "hängen" um (ehemalige) Astverzweigungen der Buchen

Die Buche: Die Buchen sollst Du suchen…aber bitte nicht bei Gewitter, denn der alte Ratschlag hält sich ebenso hartnäckig, wie er in der Realität unwirksam ist. Sucht die Buchen lieber im Frühling, wenn uns die hellgrünen zarten, jungen Blättchen eine herrliche Zutat für Wildkräutersalate liefern oder einfach pur mit etwas (Kräuter-)salz aufs Butterbrut.



Großer Buche mit dickem Stamm
Der glatte, ruhe Buchenstamm erinnert an einen Elefantenfuß


Aber wir schweifen ab…wie erkenne ich die Buche im Winter - ohne Blattwerk? Da gibt es einmal die graue, glatte Rinde, die dem Stamm eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Elefantenfuß verleiht. Sehr häufig findet man bei Buchen die sogenannten Chinesenbärte. Wer jetzt kulturelle Aneignung oder gar Despektierlichkeiten gegenüber dem großen Volk in Asien vermutet, ist auf der falschen Fährte. Es geht um die borkigen Verdickungen der Rinde, die sich in einem länglichen Bogen um alte Astgabelungen und oder rund um die „Wunden“ abgeschnittener Äste formen (siehe Foto). Zugegeben - ein wenig stereotypisch, aber sie erinnern einfach an die langen Bärte, die wir uns gern auch im Fasching angeklebt haben, wenn wir uns als „Chinesen“ verkleideten.






Eine eher unbekannte, aber recht probate Methode ist die Bestimmung über die Knospen. Grundsätzlich benötigt man für diese Art der Baumbestimmung ein erhebliches Maß an Erfahrung. Im Falle der Rotbuche gelingt es aber auch als Waldneuling ganz gut.


Und das geht so:

  1. Anordnung der Knospen: Zweizeilig, d.h. die Knospen sitzen versetzt links und rechts am Ast in einer Zickzackanordnung. Bei anderen Bäumen findet man beispielsweise kreuzgegenständige oder schraubige Anordnungen, z.B. bei der Kirsche (siehe Foto oben).

  2. Form/Farbe der Knospen: Länglich spitz (spindelförmig), ungestielt, rötlich-braun

  3. Sitz der Knospe: Gerade über der Blattnarbe (nicht schief abstehend)



Die Esche: Wer einmal eine Esche gesehen und kennengelernt hat, wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit immer wieder auf Anhieb erkennen. Diese Bäume erreichen mitunter eine imposante Größe von 30 bis 40 Metern. Auch das Blattwerk mit den großen Fiederblättern und die in Büscheln auftretenden zungenförmigen, geflügelten Früchte sind sehr augenfällig und leicht einprägsam. Aber auch im Winter ohne diese typischen Erkennungsmerkmale ist die Esche sehr gut an ihren einzigartigen Knospen zu erkennen. Anders als bei der Buche, reicht hier der Blick auf die Farbe, denn diese ist quasi ein Alleinstellungsmerkmal in der hiesigen Baumwelt.


Die Esche zeigt rußschwarze Knospen von fast samtigem Aussehen. Warum das so ist? Die Lösung findet ihr im Blogbeitrag „Das Geheimnis der schwarzen Knospen“. Blätter und Blüten sind auch kulinarisch interessant. Aus den Eschenblättern und -früchten lässt sich zum Beispiel eine Alternative zu schwarzem Tee brühen - nur kurz ziehen lassen, damit die Bitterstoffe nicht zu stark wirken. Aber auch junge Triebe und Blätter als Salat- oder Gemüsebeimischung. Volksheilkundlich wurden die Knospen unter anderem für Tees und Ölauszüge/Salben zum Einsatz bei Gicht, Rheuma, Venenleiden eingesetzt. Auch in der modernen Gemmotherapie haben die Eschenknospen ihren festen Platz.


Und wie unterscheide ich nun Fichte und Tanne? Merke: Die Fichte sticht, die Tanne nicht. Ausführliche Infos und leckere Rezepte findest Du im Blogbeitrag Tanne und Fichte.


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