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Hamamelis

Virginische Zaubernuss - Magische Heilkraft bizarrer Winterblüten



Wilder Zausel oder winterliche Schönheit. Der Hamamelis-Strauch ist mit seinen bizarren Blüten ein Eyecatcher im herbstlich-winterlichem Grau. Aus vier purpurfarbenen behaarten Kelchblättern entspringen zart-zottelige, gelbe, frostresistente Kronblätter und ziehen die Blicke unwillkürlich auf sich. Doch wenige Menschen erkennen, was sie vor sich haben und sind dann erstaunt, dass es der Rohstoff für die heilende Hamamelis-Salbe ist, die viele dankbar nutzen.

Indigene Wurzeln

Während die indigene Bevölkerung des Ursprungslandes Nordamerika schon vor Jahrhunderten die heilenden Wirkstoffe dieser Pflanze schätzte, fand sie erst im 18. Jahrhundert ihren Weg nach Europa. Carl von Linné gab ihr 1753 im Rahmen seiner binären Nomenklatur die Bezeichnung Hamamelis virginiania. Etymologisch ist die Bedeutung nicht abschließend herzuleiten. Überwiegend wird in den Veröffentlichungen der Wortursprung im Griechischen gesehen, wobei zum Teil von einem Übersetzungsfehler ausgegangen wird. So sei aus „homo“ „hama“ geworden. Gemeint war wohl die Bedeutung „gleich(zeitig)“. Mit der Kombination der altgriechischen Wörter hama (homo)=(zu)gleich und melon=Apfel/Frucht griff Linné vermutlich eine Besonderheit der Hamamelis auf: Die Blüte entsteht bereits im herbstlichen Vorjahr, so dass man im Folgejahr sowohl Früchte als auch Blüten an einem Strauch finden kann. Der zweite Namensbestandteil ist als Bezug zur ursprünglichen Herkunft zu sehen. Virginia wurde zu dieser Zeit auch gleichbedeutend für Nordamerika verwendet, da es ein weit größeres Gebiet abdeckte, welches sich heute auf mehrere Bundesstaaten erstreckt.

Hamamelis-Blüte, die sich durch Einrollen der Kronblätter vor Kälte schützt
Bei frostigen Temperaturen rollen sich die gelben Kronblätter der Hamamelis ein

Kältekönigin

Mit erstaunlicher Anpassungsfähigkeit hat sich die Hamamelis ihre ungewöhnliche winterliche Blütezeit erobert. Unterschreiten die Temperaturen die Frostgrenze rollen sich die fadenartigen Kronblätter einfach ein. Wird es wieder wärmer, rollen sie sich wieder aus als wäre nichts gewesen. Das funktioniert selbst bei Temperaturen bis -10 Grad. Der Strauch insgesamt trotzt sogar klirrender Kälte bis -35 Grad. Einige Quellen berichten, dass es Hamamelis-Vorkommen bereits vor den Eiszeiten auch bei uns gab und ihr Wiedererscheinen im 18. Jahrhundert eine Rückkehr bedeutete.


Mystische Zaubernuss

Die volkstümliche Bezeichnung als Zaubernuss oder witch hazel – wie sie im englischen Sprachraum genannt wird – hat vielfältige Gründe. Zum einen regte sicherlich die ungewöhnliche Blütezeit, Erscheinungsbild und Kälteresistenz der Blüten die Fantasie der Menschen an. Was so unerklärlich war, konnte nur mit Zauberei möglich sein. Doch auch die enorme Heilkraft der Pflanze gab der Hamamelis den Hauch des Mystischen. Für die indigene Bevölkerung in Nordamerika war sie ein Allheilmittel für Beschwerden und Verletzungen. Nach ihrem „Import“ nach England erlebte die Hamamelis etwa im 19. Jahrhundert auch auf europäischem Gebiet einen wahren Siegeszug in den einfachen Bevölkerungsschichten, die sich keinen Arzt leisten konnten – ein Segen im harten Alltag des kleinen Mannes.

Die Verbindung zur (Hasel-)nuss ist schnell erklärt: Sowohl Blätter als auch die kapselförmigen Früchte erinnern stark an unseren heimischen Haselnussstrauch. Und ebenso wie die Haselruten, wurden schließlich auch die Hamameliszweige als Wünschelruten benutzt, um verborgene Wasseradern oder auch andere Schätze der Erde zu enttarnen.

Wirkung und Verwendung

Kulinarisch findet die Hamamelis keine Anwendung. Neben der Kultivierung als Zierpflanze wird vor allem ihre enorme Heilwirkung genutzt. Insbesondere der zusammenziehende und keimhemmende Gerbstoffgehalt indiziert die Anwendung bei lokalen Entzündungen der Schleimhäute, oberflächlichen Hautverletzungen und -problemen wie beispielsweise auch Akne. Auch ein blutstillender Effekt durch die antioxidative Wirkung der Flavonoide konnte mittlerweile nachgewiesen werden. Die Heilkraft des Hamamelisstrauchs ist durch zahlreiche Studien belegt. Entsprechend findet man heute eine reiche Auswahl an pharmazeutischen Fertigprodukten im Handel. Vor allem zur Behandlung von Hämorrhoidalleiden, aber auch zur Linderung bei Neurodermitis haben sich Hamamelispräparate nachweislich bewährt. Im kosmetischen Bereich nutzt man vor allem die ätherischen Öle der Pflanze durch Wasserdampfdestillation. Dadurch werden die Gerbstoffe weitgehend entfernt und der pflegende Aspekt steht im Vordergrund. Ideal zum Beispiel zur Gesichtspflege oder als mildes Rasierwasser.


Verwendung finden Blätter und Rinde des Strauches.


Anwendungsbeispiele: Tinktur, Teeumschläge, Ölauszüge - pur oder zur Weiterverarbeitung als Salbe

Bei innerlicher Anwendung können die Gerbstoffe bei empfindlichen Personen zu Magenproblemen führen. Schwangere und Stillende sollten Hamamelis nicht verwenden. Im Zweifelsfall die Anwendung mit dem Arzt oder Therapeuten des Vertrauens abklären.


Steckbrief Hamamelis virginiana

Familie: Zaubernussgewächse (Hamamelidaceae) Pflanzenname: Hamamelis virginiana Volksnamen: Zaubernuss, Hexenhasel, witch hazel


Merkmale: Der Hamamelis-Strauch zeigt eine grau-braune Rinde und erreicht eine Wuchshöhe von ca. 8 m. Im Herbst entwickeln sich an den Blattachseln ein- bis fünfblütige korallenartige Blütenstände. Aus vier purpurfarbenen Kelchblättern wachsen gelbe fadengleiche Kronblätter, die sich zum Schutz vor Kälte einrollen können. Die Blüten verströmen einen angenehmen Duft. Im (Spät-)Sommer entwickelt sich aus den Blüten eine eiförmige Kapselfrucht. Ist diese reif, schleudert sie ihre Samen meterweit in die Umgebung. Die gestielten Blätter ähneln der Haselnuss. Sie haben eine leicht ledrige Oberfläche und eine leicht schiefe Blattspreite mit gezähnten bis gebuchteten Blatträndern.


Vorkommen: Wilde Vorkommen in Nordamerika, in Europa vor allem als Zierpflanze kultiviert in Gärten und Parkanlagen. Bevorzugt lockere, nährstoffreiche, kalkarme Böden. Empfindlich gegen Staunässe. Im asiatischen Raum findet sich die Hamamelis japonica, die mit intensivem Duft betört.


Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, ätherische Öle, Flavonoide


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Die Beschreibungen ersetzen keine medizinische Beratung. Alle Darstellungen beruhen auf tradierten Überlieferungen und volksheilkundlichen Erfahrungen. Bei Beschwerden und Krankheitszeichen ggf. den Arzt des Vertrauens konsultieren.

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